Die Geschichte

Da haben auch gut gemeinte Anträge, beispielsweise den Martinsdarsteller finanziell zu entlasten oder ihm bei der Saalfeier „eine leichtere Gewandung" zuzugestehen keinerlei Aussicht auf eine Mehrheit im Komitee. Und in gleicher Weise lehnt das Komitee einen schriftlich vorgetragenen Wunsch des Leiters der Jugendzahnklinik ab, wonach bei Zusammenstellung der Martinstüten auf Süßigkeiten weitgehend verzichtet werden soll. Genau so verfahren ist man mit einem schon vorher einmal gestellten Antrag, den Tüten keine Stuten mehr zuzufügen. Und auf das dritte Element, den guten heimischen Apfel, gegen den kein Zahnarzt etwas hat, wird auch nicht verzichtet.

 

Manchmal wurde das Bestreben, Kommissionen zu bilden, übertrieben. Wenn nämlich lediglich Handschuhe angeschafft werden sollen, dann gleich schon eine „Handschuhbeschaffungskommission" zu etablieren, das kann wohl nur mit einem Zwinkern als Komiteearbeit bezeichnet werden. Und eigentlich gehört dieses Zwinkern selbst mit zum Charakterbild dieses Komitees und es überrascht so gesehen, nicht, wenn das, was der langjährige Vorsitzende Heinrich Avesiers als sein Letztes in das Protokollbuch schrieb, wie folgt lautet: „Möge es für alle noch lange so bleiben. Dann wird auch St. Martin daran seine Freude haben, denn er wird auch kein Spaßverderber gewesen sein."

 

Mit dem dritten Protokollbuch und der ersten Niederschrift hierin von der Versammlung am 29. September 1979, beginnt der Schriftführer Josef Steger das letzte Viertel des bis­herigen Bestehens des St. Martinskomitees.

 

 Besondere Ereignisse gibt es aus den frühen 80.er Jahren kaum zu berichten. Am 23. September 1981 wechselt die Aufgabe der Schriftführung. Werner Pasch wird neuer Schriftführer. Im Jahre 1983 entspann sich eine rege Diskussion über die Anschaffung von Überhängen für die alten Uniformen. Die bisherigen Überhänge hatten doch inzwischen arg gelitten und mussten ersetzt werden. Solche Beschlüsse mit den teils nicht unerheblichen finanziellen Folgen bereiteten im Komitee eigentlich immer wieder Probleme. Doch trotz allem Für und Wider wurden neue Überhänge angeschafft.

 

Bereits im Jahre 1983 hatte der amtierende Martinskomiteevor­sitzende Dr. Gotthard von Essen darum gebeten, für ihr einen Nachfolger zu wählen. Die Komiteemitglieder konnten ihn jedoch noch drei Jahre in seinem Amt halten.

 

In einer Sondersitzung am 22. Februar 1986 wählte das Komitee einen neuen Vorsitzenden. Die Wahl fiel auf Johannes Wolters. Nachdem die bisherigen Abschlussfeiern zum Martinsfest in verschiedenen Sälen in St. Hubert abgehalten wurden, fand im Jahre 1988 erstmalig die Nachfeier in dem neu erstellten Schulforum am Hohenzollernplatz statt.

 

Ein weiterer Höhepunkt in der Komiteearbeit war im Jahre 1990 die Beschaffung neuer Uniformen für den Martinsdarsteller und seine Herolde.

 

Leben kam in die Komiteearbeit, als Ende der 80.er,  Anfang der 90.er Jahre eine Diskussion über den Termin des Martinsfestes in St. Hubert aufkam. Grund hierfür war in erster Linie die Tatsache, dass die bisherige Hauptschule in St. Hubert aufgelöst und nach Kempen verlagert wurde. Nun war es nur noch die Grundschule, die für eine Beteiligung am St. Martinszug in Frage kam. Nach Verlegung der Johannes-Hubertus-Schule in die ehemaligen Schulgebäude der Hauptschule am Hohenzollernplatz, beteiligte sich auch diese Schule am jährlichen Martinszug.

 

Das Hauptproblem bei der Festsetzung des Termins war aber der Umstand, dass in der Stadt Kempen ebenfalls am 10. 11. der große Martinszug stattfand. Da viele St. Huberter Kinder in die weiterführenden Schulen nach Kempen gingen und jetzt auch die Hauptschule nach Kempen verlagert wurde, traten in den einzelnen Familien immer größer werdende Probleme auf. In vielen Familien mussten Eltern teilweise in Kempen und in St. Hubert dafür sorgen, dass ihre Kinder am Martinszug teilnehmen konnten. Aus diesen Gründen wurde das Drängen der Eltern der Kinder der Grundschule immer heftiger. In vielen Sitzungen wurde das Thema heiß diskutiert. Zusätzlich wurde in der Bevölkerung eine Befragung durchgeführt, die zu keinem anderen Ergebnis führte, als den Termin am 10. 11. beizubehalten. In den nachfolgenden Sitzungen wurde im Komitee weiter heftig über die Terminfrage gestritten. Am Ende aller Aussprachen setzte sich im Komitee eine deutliche Mehrheit durch, die der Meinung war, den Martinszug jährlich am 9. 11. durchzuführen. Das Komitee versprach sich vor allem aus der Terminverlegung eine weitaus größere Resonanz, als dies in den vergangenen Jahren der Fall war. Mit etwas Wehmut muss leider auch festgestellt werden, dass nach diesem Beschluss zur Terminverlegung mehrere Mitglieder aus dem St. Martinskomitee austraten.

 

Mit der Vorverlegung des Termins hatten nunmehr alle St.Huberter Kinder die Möglichkeit, sich am Martinszug zu beteiligen. Am 9. November 1992 war es dann soweit. St. Martin, dargestellt von Hans-Peter van der Bloemen, ritt an diesem Tag dem Zug vor­an. Erfreulich war festzustellen, dass das, was sich das Komitee von der Terminverlegung versprochen hatte, auch tatsächlich eintrat. Nie gekannte Menschenmengen säumten den Zugweg. Aus der St. Huberter Bevölkerung gab es zur Terminverlegung fast nur noch Zuspruch und kaum noch Kritik. Der positive Trend setzte sich ab dem Jahre 1992 kontinuierlich weiter fort und es ist heute festzustellen, das der St. Huberter Martinstag einer der Höhepunkte des Jahres ist,

 

Eine weitere Forderung der Elternschaft der Grundschule war, im jährlichen Martinszug die Bettlerszene darzustellen, um den Kindern die Legende, die sich um St. Martin rankte, besser zu verdeutlichen. Auch hierzu gab es mehrere Diskussionen in vielen Komiteesitzungen. Im Jahre 1995 wurde der Beschluss gefasst, erst­malig im Jahre 1996 den Versuch zu starten. Die Bettlerszene sollte in der Mitte des Hohenzollernplatzes dargestellt werden. Für das Jahr 1996 stellte sich Eberhard Thäsler als Bettler zur Verfügung. Er spielte seine Rolle so gekonnt, dass bereits der erste Versuch ein voller Erfolg wurde. Seit dem Jahre 1997 stellt sich Johannes Dicks für die Rolle des Bettlers zur Verfügung. Dank seiner schauspielerischen Begabung erfreut sich die kurze Darstellung immer größer werdender Beliebtheit.

 

Weil unser Ort in den letzten Jahren immer größer wurde, musste eine neue Einteilung der Sammelbezirke erfolgen. Dies geschah im Jahre 1997 durch das Komiteemitglied Hans-Josef Beverungen. 1999 verstarb der Schriftführer Werner Pasch. Sein Sohn Rainer wurde in der ersten Versammlung 1999 vom Komitee als neuer Schriftführer gewählt.

 

Im Jahre 2003 sollte das 100 jährige Bestehen in angemessenen Rahmen gefeiert werden. Dazu rief  der Vorsitzende eine Gruppe der „vernünftiger Leute“ zusammen. Diese Gruppe bestand aus dem Vorsitzenden Johannes Wolters, dem Kassierer Heiner Zehnpfennig, dem Schriftführer Rainer Pasch und den Komiteemitgliedern Dr. Michael Gehlen, Georg Dicks, Johannes Dicks und Theo Balters. Sie bereiteten die Aktivitäten zum Jubiläum vor. Es wurde ein neuer Helm für den Martinsdarsteller angeschafft, da der alte Helm im Laufe der Jahre unansehnlich geworden war. Während der Vorbereitung verstarb der Vorsitzende Johannes Wolters im Sommer 2003. Ohne Vorsitzenden mussten die Vorbereitungen für das Jubiläum jetzt beendet werden. Das Komitee entschied sich, auf der Grünfläche Bellstraße, Ecke Königsstraße zwei Bronze-Gänse aufzustellen, um an das 100 jährige Bestehen zu erinnern. Die Gänse des Aachener Künstlers Bonifatius Stirnberg  sind als Spielgeräte für Kinder konzipiert. Das Grünflächenamt der Stadt Kempen übernahm die Planung und die Gestaltung des Platzes.

 

Bei der ersten Versammlung am 19.09.2003 wurde der Schriftführer Rainer Pasch zum neuen Vorsitzenden gewählt. Sein Amt als Schriftführer wurde von Theo Balters übernommen. Das Martinsfest am 09.11.2003 begann um 10.00 Uhr mit der Martinsmesse. Der Musikverein St. Hubert untermalte die Messe in der bis auf den letzten Platz gefüllten Pfarrkirche. Am Ende der Messe informierte Pastor Pero Stanusic darüber, dass an diesem Sonntag in allen Kirchen im Bistum Aachen die Besucher der heiligen Messen gezählt werden sollten. Sein einziger Kommentar „ Wenn wir die Zahl der Kirchenbesucher des heutigen Tages weitergeben, wird uns das niemand glauben“.

 

Nach der Messe trafen sich die Komiteemitglieder zu einem gemeinsamen Frühstück im Saal der Gaststätte Leyers.

Um 15.30 Uhr trafen die ersten Komiteemitglieder beim Martinsdarsteller Rainer Pasch ein, um ihn mit seinen Herolden zum Hof der Gaststätte Leyers zu begleiten. Gemeinsam mit Feuerwehr, Musikverein und dem Deutschen Roten Kreuz ging es dann nach Leyers und von dort aus zur Grundschule. Dort startete der Martinszug, erstmals mit den von der Johannes-Hubertus-Schule gebastelten großen Vorfackeln. Auch im Jubiläumsjahr fand der Martinsball im Forum statt.

Vertreter der Kirche aus Politik und den Vereinen gehörten zu den Gratulanten einer gelungenen Jubiläumsfeier.

 

2006 entschloss sich das Komitee die Uniformen der Herolde zu erneuern. Diese wurden erstmalig beim Martinszug 2007 getragen. Im November 2006 ging das St. Martinskomitee online, www.martinskomitee.de informiert über St. Martin in St. Hubert. 

 

Im Jahr 2008 wurden nach vielen Jahren wieder zwei Petroleumlampen angeschafft, um den Martinsdarsteller während des Zuges zu illuminieren. Der erste Versuch war nicht sehr erfolgreich. Eine Lampe wurde während des Startvorganges so stark beschädigt, dass der Tank undicht wurde. Bei der zweiten Lampe führte eine Undichtigkeit am Vergaser zum frühzeitigem aus. 2008 wurde auch erstmals das Martinsfeuer am Hohenzollernplatz abgebrannt. Durch die zunehmende Bebauung fanden sich kaum noch Flächen, an denen ein großes Martinsfeuer abgebrannt werden konnte. 

 

Dadurch das St. Hubert kontinuierlich wuchs, wurde es notwendig einen neuen Sammelbezirk einzurichten.

2010 kam das Baugebiet „Im Burgfeld“ dazu. In diesem Jahr sammelten 66 Sammler in 33 Sammelbezirken. Erstmals wurde die Grenze von 90 Mitgliedern überschritten. Dem St. Martinskomitee gehören im Jahre 2010 insgesamt 91 Mitglieder an. Die alten elektrisch betriebenen Lampen wurden auf moderne energiesparende LED-Technik umgerüstet.

 

Seit 2009 sind Süßwaren aus fairem Handel Bestandteil der Martinstüte. Damit versucht das St. Martinskomitee einen Beitrag dazu zu leisten, Menschen und Organisationen zu helfen und dem Handel ein menschlicheres Gesicht zu geben.

Aufgrund der starken Unterstützung aus der Bevölkerung hat der Inhalt der Martinstüte einen Wert von 9,- €..

 

Im Jahr 2011 war der Vorstand des Voescher St. Martinskomitees mit einer Bitte an den Vorstand des St. Huberter St. Martinskomitees heran getreten. Die Voescher wünschten die Abtretung der Sammelrechte an der rechten Straßenseite „Escheln“ ausgehend von der Martinskapelle bis zu Landwehr. Bis dahin hatten sich die Grenzen des Sammelgebietes an den ehemaligen Schulgrenzen der Gemeinde St. Hubert orientiert. Nach langen und schwierigen Diskussionen und Verhandlungen kam es zu einer Einigung. Für die Abtretung der Sammelrechte gab das St. Martinskomitee Voesch fünf Jahre lang jedes Jahr bei einer der drei Versammlungen eine Runde an alle Komiteemitglieder. 

 

Nach über 20 Jahren im Vorstand stellte der Kassierer Heiner Zehnpfennig sein Amt als Kassierer 2013 zur Verfügung.

Bei der notwendigen Neuwahl wurden Theo Balters (Kassierer) und Johannes Dicks (Schriftführer) in den Vorstand gewählt.

 

Jetzt sind also über 110 Jahre vergangen, in denen in St. Hubert St. Martin gefeiert wird unter der Regie des St. Martinskomitees. Es wird sich in den kommenden Jahren wohl noch vieles verändern. Das St. Martinskomitee hat aber den festen Vorsatz auch in den kommenden Jahren dafür zu sorgen, dass der gute alte Brauch des St. Martinsfestes mit den schönen Fackelzügen der Kinder erhalten bleibt.

 

 

Dr. Gotthard von Essen

Johannes Wolters

Rainer Pasch

 

Man macht es sich sicherlich zu einfach wenn man eine solche Forderung nur als destruktive Äußerung einer satten Generation abtut, die durch eine Martinstüte nicht mehr zu erfreuen ist. Umgekehrt aber geht die Richtung der Gründungsmitglieder nicht verloren, wenn Oberklassenjahrgänge an dem Fest desinteressierter werden, denn das Alter der Zielgruppe der Komiteebemühungen beginnt mit dem 2. Lebensjahr. Sicher brauchen mit der letzten Feststellung nicht alle Gedanken aufgegeben zu werden, die sich mit der immateriellen Seite des Mantelteilens und einer Verdeutlichung derselben befassen, umgekehrt ist aber der Komiteeaufgabe in der bisherigen Ausdrucksform nicht der Boden entzogen.

 

Und dafür etwas zu tun, sich einzusetzen, ist das Komitee bereit. Wer sich z. B. nur überschläglich eine Vorstellung über die Zahl der Haus- und Wohnungstüren verschafft, an welche alle vor dem Fest von Sammlern des Komitees angeklopft wird; wer in etwa die Zahl der Tüten kennt, die einzeln gepackt werden müssen, kann die Bemühungen in diesem Bereich ermessen. Es gibt aber darüber hinaus eine Unmenge anderer Dinge zu tun, zu ordnen, zu organisieren. Und an jeder einzelnen Maßnahme, an allem, was zur Martinszeit dazu gehört und gewachsen ist, hängt das Komiteemitglied

St. Martinskomitee St. Hubert